Kaufmännische Schule in Bad Urach: Neubau im Passivhaus-Standard und Begleitforschung

 
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Der Neubau der kaufmännischen Georg-Goldstein-Schule in Bad Urach in Passivhausbauweise bestätigt aufgrund einer intensiven Begleitforschung der tatsächlich anfallenden Energieströme die sehr guten Energiekennwerte im täglichen Schulbetrieb. Eine Holzpelletanlage sorgt für eine 100% Deckung des Wärmebedarfs durch Erneuerbare Energien und heizt zusätzlich noch eine in der Nähe befindliche KITA.


 

Für alle Gebäude des Landkreises Reutlingen wird seit dem Jahr 1989 ein aktives Energiemanagement betrieben. Ein jährlich erscheinender Energiebericht, der dem Kreisgremium vorgelegt und diskutiert wird, enthält sowohl ein laufend aktualisiertes Anlagenkataster als auch eine ständig fortgeschriebene Sanierungsplanung für die technischen Anlagen.

Der Bau der Georg-Goldstein-Schule hat sich in diesem Zuge erfolgreich als „Modellvorhaben zum energieeffizienten Neubau von Nichtwohngebäuden kommunaler und sozialer Einrichtungen“ beworben. Damit ist der als zertifiziertes Passivhaus konzipierte Neubau der Kaufmännischen Schule eines von 16 Modellvorhaben bundesweit geworden, die über drei Jahre wissenschaftlich begleitet wurden.

Durchgeführt wurde die dreijährige Begleitforschung und Evaluation das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Hierbei sollten beispielhafte Planungen in der Umsetzung sowie in der Nutzungsphase erprobt werden. Für die Teilnahme am Modellvorhaben hat der Landkreis Reutlingen einen besonders günstigen Kredit der KfW-Bankengruppe für einen Teil der Baukosten erhalten.

Bereits im Oktober 2012 fand im Rahmen des Modellprojektes ein Workshop in der Georg Goldstein Schule statt, in welchem Teilnehmer des Modellvorhabens aus dem gesamten Bundesgebiet sich zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch getroffen haben.

Die Ergebnisse des Modellvorhabens dienen der wissenschaftlichen Vorbereitung der Anwendung der EU-Gebäuderichtlinie, die für Neubauten öffentlicher Gebäude ab 2019 einen Niedrigstenergiegebäude-Standard vorgibt. Des Weiteren erwarb sich der Landkreis Reutlingen Erkenntnisse für eigene Bauvorhaben in der Zukunft.

Der Heizwärmebedarf der Schule und der angrenzenden Kreissporthalle wird komplett über den Einsatz eines Holzpellet-Kessels mit 80 kW und einer Solarthermie-Anlage gedeckt. Über die Heizungsanlage wird auch der städtische Kindergarten mit einer Fläche von ca. 500 m² versorgt. 

Eine umfassende Untersuchung der kreiseigenen Berufsschulen, die den Sanierungsbedarf ermittelte und im Rahmen derer auch die Fassaden der Schulen durch Thermografie getestet wurden, fand 2006 statt. Weitere Untersuchungen im Anschluss haben für die Kaufmännische Schule in Bad Urach schließlich ergeben, dass für diesen Standort nicht eine Sanierung, sondern ein Abriss und Neubau des Gebäudes die wirtschaftlichere Variante sei.

Konsequenterweise wurde im Jahr 2010 mit dem Neubau begonnen. Dieser wurde als Passivhaus nach Darmstädter Standard mit einem geplanten Wärmeverbrauch von unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr konzipiert. 

Das Projekt zeigt, dass Passivhaus-Standard nicht nur auf dem Papier möglich ist, sondern dass durch gutes Monitoring die erforderlichen Werte auch unter Praxisbedingungen möglich sind. Als konsequenter Beitrag zum Klimaschutz erfolgt die Wärmebereitstellung 100% regenerativ.

Die Kosten in Höhe von 11,5 Mio. Euro trug der Landkreis Reutlingen, das Bauvorhaben wurde vom Land Baden-Württemberg mit über 3 Mio. EUR aus dem Schulbauförderprogramm bezuschusst. Der Landkreis erhielt außerdem für die Teilnahme am Modellvorhaben des Bundes, siehe Projektbeschreibung, ein zinsvergünstigtes Darlehen der KfW-Bankengruppe, das zu einer Zinsersparnis von 400.000 Euro gegenüber dem marktüblichen Zinssatz führte.

Kooperationen:

Bauherr: Landratsamt Reutlingen
Architektur: ArGE KSBU, Pfullingen
Statik: Ade-Fritz, Metzingen
HLS, Bauphysik, Monitoring: Ebök, Tübingen
Elektro: Heusel + Siess, Reutlingen

Letzten Endes wurde durch das Monitoring sogar eine Unterschreitung des kalkulierten Heizwärmebedarfs festgestellt. Darüber hinaus war es äußerst hilfreich bei der Einsteuerung des Gebäudes. So wurden auch u.a. verdeckte Mängel in der Installation und Regelung der Haustechnik aufgezeigt. Von allen Beteiligten wurde beim letztem Meeting zum Forschungsvorhaben festgestellt, dass das Monitoring in der Anfangsphase der Nutzung weniger der Protokollierung von Verbräuchen dient, sondern v.a. der Mängelbeseitigung bzw. Betriebsoptimierung der Haustechnik im Sinne der eigentlichen Planung.

Das für das Forschungsprojekt erforderliche Monitoring der Energiedaten des Gebäudes wird nun über die Dauer des Projektes hinaus fortgeführt.

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