Energetische und stoffliche Verwertung – Kaskadennutzung von Bio- und Grünabfällen aus privaten Haushalten

 
Selbsteinschätzung der Kommune

Kommunendaten
Projektdaten
Kontakt

Seit Beginn 2013 wird im Ennepe-Ruhr-Kreis der in privaten Haushalten anfallende Bio- und Grünabfall in Kaskadennutzung, d.h. in mehreren, hintereinander geschalteten Prozessschritten, stofflich und energetisch verwertet.

Nach erfolgter Durchführung einer europaweiten Ausschreibung wird seit dem 1.1.2013 der in privaten Haushalten anfallende Bioabfall auf dem Kreisgebiet selbst zu Biogas vergoren und verstromt. Hierbei kann eine Jahresmenge von rd. 24.000 Tonnen unter Beachtung der Prinzipien der Entsorgungsautarkie und Nähe energetisch genutzt werden.Der Ennepe-Ruhr-Kreis leistet damit auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Energiewende sowie Klima- und Ressourcenschutz.

Im Rahmen der KlimaExpo NRW stand die Biogasanlage als Vorzeigeprojekt am 27.9.2014 interessierten Bürgerinnen und Bürgern aus NRW offen.

Die Laufzeit des Vergärungsvertrages beträgt 15 Jahre. Dieser Zeithorizont ist vor dem Hintergrund des hohen Finanzierungsvolumens notwendig geworden, um dem Auftragnehmer eine hohe Investitionssicherheit bieten zu können. Auch sollte es durch die lange Laufzeit ermöglicht werden, eine komplett neue Anlage, nach Möglichkeit im Kreisgebiet selbst, zu errichten (Prinzip der Nähe, Entsorgungsautarkie). Im Gegenzug verfügt der Ennepe-Ruhr-Kreis über eine lange Entsorgungssicherheit dieser Abfallarten.

Im November 2008 hat der Kreistag die Verwaltung aufgefordert, über klimaschutztechnische Maßnahmen im Verwaltungshandeln zu berichten. Seitens der Verwaltung wurde darauf verwiesen, dass man die Möglichkeit der Produktion regenerativer Energien aus Biomüll prüfen werde. Hierzu wurde in einem ersten Schritt technisch-wirtschafltiche Konzeptstudie erarbeitet, worauf hin der Kreistag im Juli 2010 die Verwaltung beauftragte, eine technikbeschränkte Ausschreibung für die Bioabfallvergärung auf den Weg zu bringen.

Der Koalitionsvertrag NRW der rot-grünen Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass der Verwertungsstandard für Biomüll die Biogasnutzung sein soll.

Das vorgestellte Projekt besitzt in NRW einzigartigen Charakter und steht anderen Kommunen und Kreisen für ähnlich gelagerte Projekte Pate.

Als besondere Herausforderung stellten sich die zu erwartenden Geruchs- und Lärmemissionen dar. Zwar liegt der Standort der Biogasanlage laut Bebauungsplan in einem Gewerbegebiet, jedoch schließt in unmittelbarer Nähe Wohnbebauung an. Um immissionsschutzrechtlich auf der sicheren Seite zu liegen, wurden in spezielle Rolltore investiert, welche nur zum Entladen der Müllfahrzeuge geöffnet werden. Darüber hinaus wird über ein besonderes Ventilationssystem dafür gesorgt, dass in den Hallen, in denen der Biomüll zur Aufgabe auf die Laufbänder lagert, ein minimaler Unterdruck herrscht. So werden die Geruchemissionen auf ein Minimum reduziert.

Finanziert wurde der Bau der Anlage durch ein Gesellschafterdarlehn des Anlagenbetreibers. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 15 Mio. €. Dies erklärt  ebenfalls die lange Vertragsdauer. Dem Auftragnehmer konnte so eine gute Investitionssicherheit zugesichert werden.

Bei der Planung des Projekts wurden die kreisangehörigen Städte, die lokale Politik als auch die Medien mit eingebunden. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger des Kreises und insbesondere am Standort der Anlage wurde von Beginn an über die geplante Maßnahme informiert und auf dem Laufenden gehalten.

Dank des Ausschreibungsergebnisses und der damit verbundenen Errichtung der Biogasanlage im Kreisgebiet (Stichwort: Prinzip der Nähe und Entsorgungsautarkie), haben sich zum einen verkürzte Transportwege ergeben, zum anderen sind ganze Wegstrecken fortgefallen.

Vor der Ausschreibung zur Vergärung wurden die Bioabfälle von den Umladeanlagen nach Lünen zur Verwertung transportiert. Für das Jahr 2011 bedeutete dies eine Kilometerleistung von rd. 43.000 km (nur die Fahrten von den UA nach Lünen)! Bei einer modellhaften Annahme, dass der Dieselverbrauch 20l/100km beträgt, resultieren daraus CO2-Emissionen von ca. 24 Tonnen.

Seit 2013 ist nur noch der Transport  von der UA Gevelsberg zur Biogasanlage in Witten relevant. Mit Zahlen aus 2014 resultiert hier eine deutlich reduzierte Transportleistung von rd. 11.000 km. Hieraus folgen CO2-Emissionen in Höhe von ca 6 Tonnen.

Insgesamt werden also rund 18 Tonnen CO2 nur durch den veränderten Transport weniger emittiert.

In 2013 wurden 4,4 Mio. kWh Strom klimafreundlich erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Abwärme wurde in Höhe von 1,32 Mio. kWh produziert. Diese wird zu 65% für die Beheizung der Rottetunnel, des Fermenters sowie für das Heizen eines Verwaltungsgebäudes genutzt. Darüber hinaus wurden aus den Bioabfällen 8.145 Mg Kompost und 7.197 Mg Flüssiggärrest ausgebracht.reduziert.

Perspektiven
Im Rahmen der KlimaExpo NRW wird die Biogasanlage als Vorzeigeprojekt am 27.09.2014 interessierten Bürgerinnen und Bürgern aus NRW offen stehen. Darüber hinaus gibt es jährlich einen Tag der offenen Tür. Gleichfalls können sich Interessierte direkt an den Betreiber zwecks Vereinbarung eines Besichtigungstermins wenden.

Durch den zukünftigen Abfallwirtschaftsplan NRW – Teilplan Siedlungsabfälle werden den Kreisen und kreisfreien Städten in NRW hinsichtlich der zu erfassenden Biomüllmengen ambitionierte Ziele vorgegeben. Im Rahmen der Biomüllkampagne, welche vom örE fortlaufend geführt wird, werden die Bürgerinnen und Bürger stets darüber informiert, wie ökologisch wie ökonomisch es sinnvoll ist, Bioabfälle einer hochwertigen stofflichen und energetischen Verwertung zuzuführen.

  Links
  Downloads
  Publikationen

Druckversionzur Startseite

Logo eea

Projektstand 2014

© Bundesgeschäftsstelle European Energy Award