Mehr Kraft-Wärme-Kopplung in Bielefeld-Sennestadt

 
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Das Projekt „Mehr KWK für Sennestadt“ sieht die Vernetzung der Nahwärmeversorgung in weiten Teilen Sennestadts mit einer offenen Plattform zwischen den verschiedenen Anbietern von Anlagen und sonstigen Dienstleistungen und Konsumenten als langfristiges Ziel vor.

Das Feinkonzept „KWK Modellkommune“ hat als langfristiges Ziel die Vernetzung der Nahwärmeversorgung in weiten Teilen Sennestadts. Als eine zentrale Aufgabe wird ein Stadtteilnetz vorgeschlagen, das als offene Plattform zwischen den verschiedenen Anbietern von Anlagen und sonstigen Dienstleistungen und Konsumenten dienen soll. Diese offene quartierbezogene Infrastrukturplattform wirkt als virtuelles Kraftwerk mit breiter Beteiligung der Nutzer.

Durch den Wegfall der speziellen Modellkommunenförderung durch das Land und die EU haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Das Ziel einer zukunftsorientierten Energieversorgung in Sennestadt soll jedoch nicht aufgegeben werden. Lediglich die Geschwindigkeit und die Art des Ausbaus der Wärmeversorgung wird sich an den gegebenen Verhältnissen und am Engagement vieler unterschiedlicher Immobilieneigentümer orientieren müssen. Dabei spielen die Entwicklung der Bundes- und Landesgesetzgebung gerade in Bezug auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Nah- und Fernwärmeversorgung weiterhin eine nicht unerhebliche Rolle.

Auch eine Förderung aus anderen Programmen ist nicht ausgeschlossen. Aus all dem hat sich in der Sennestadt eine Innovationskultur entwickelt, die die Erfahrungen und Ergebnisse der Beteiligungsverfahren wie Versammlungen und Zukunftswerkstätten von Bürgerinnen und Bürger aufgreift. So setzt man sich heute unter Beteiligung der Wohnungs- und Kreditwirtschaft zusammen und erarbeitet Indikatoren, die unter Berücksichtigung energetischer und ökologischer sowie baukultureller und sozialer Partner ein quartierbezogenes Bewertungstool für den nachhaltigen Wohnwert einer Immobilie zum Ziel haben. Dies ist Voraussetzung für viele Kreditvergaben bei Sanierungsvorhaben und damit besonders in wirtschaftlich schwachen Quartieren mit Schrumpfungstendenzen von großer Bedeutung für die zukünftige Erschließung von Klimaschutzpotenzialen im Wohnungsbestand.

Die bisherige Auseinandersetzung mit der energetischen Stadtsanierung im Quartier und die Arbeit des Sanierungsmanagers vor Ort zeigen, dass die Einsparung von Energie als Nutzen in der Sennestadt selbstverständlich anerkannt ist. Die Akzeptanz von Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmedienstleistung als Infrastruktur der zukünftigen Sennestadt ist ebenfalls breit vorhanden.

Das Motto lautet „Mehr KWK für die Sennestadt“. Nach den bisherigen Erfahrungen der Projekte und Beteiligungsprozesse ist dies nur möglich, wenn die maßgeblichen Akteure in einer offenen Dienstleistungsplattform für Wärme und Strom im Quartier zusammenarbeiten, in der Netze entwickelt werden und Erzeuger/innen und Abnehmer/innen am Netz miteinander verknüpft werden. Diese urbane Variante des Bürgernetzes wurde entwickelt, um den komplexen Anforderungen heterogener Eigentumsverhältnisse in Bestandsquartieren der Sennestadt zu begegnen und bedarfsgerechtes Netzwachstum unter den Bedingungen energetischer Sanierung zu ermöglichen. Mit Hilfe lokaler Gruppen und Akteure mit dem Bindeglied Sennestadt GmbH lässt sich ein solches Portal Schritt für Schritt und unabhängig von möglicher Netzförderung aufbauen.

Der Stadtteil Sennestadt ist Stadtumbauquartier und gleichzeitig prominente Modellstadt der Nachkriegsmoderne. In Quartieren dieser Art besteht ein besonders hoher Handlungsbedarf für immobilienwirtschaftliche und energetische Erneuerung. Sennestadt mit seinen 14700 Menschen in 7250 Haushalten wird zum KWK-Modellquartier der Stadt Bielefeld und soll schrittweise eine Nahwärmeinfrastruktur mit effizienten Erzeugungsanlagen erhalten, die ebenso schrittweise ihren Stromanteil erhöhen können.

Die homogenen Wohnungsbestande der Sennestadt stehen für rund 2,9 Millionen Wohnungen in NRW, die in den fünfziger und sechziger Jahren entstanden sind. Es handelt sich in der Regel um zusammenhangende Siedlungsbestande in benachteiligten Stadtteilen mit hohem Sanierungsbedarf. Eine Analyse von verschiedenen sozioökonomischen Indikatoren ergab für die Sennestadt im Bielefelder Vergleich einen Befund mit überdurchschnittlich hohen Werten in Bezug auf Überalterung, Einwohneranteil mit Migrationshintergrund, Arbeitslosigkeit und geringem Einkommen. Das urbane Bürgernetz als KWK-Strategie hat gerade aufgrund des Plattformkonzepts seine Starke bei der Anpassung an die wirtschaftlichen und strukturellen Gegebenheiten der Bestandsquartiere unter Beteiligung lokaler Akteure.

Für die Sennestadt wurde deshalb ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet. Beginnend mit drei themenbezogenen Workshops („Wohnen in der Sennestadt“, „Arbeiten in der Sennestadt“ sowie „Kultur und Soziales in der Sennestadt“) und einem Aktionstag Anfang 2008 wurde unter breiter Beteiligung der Sennestädter Bewohner sowie der lokalen Akteurinnen und Akteure eine gemeinsame Positionsbestimmung der Sennestadt entwickelt. Daraus entwickelten sich zahlreiche Projekte wie die „Energetische Stadtentwicklung“ und die „KWK-Modellkommune“ mit den o.g. Partnern in der Projektgruppe.

Perspektive
Um die umfangreichen Vorbereitungen für das Stadteilnetz realisieren zu können, sind kurzfristig Folgeprojekte geplant.

Die Finanzierung zur Vorbereitung der Grundlagen für die zukünftige KWK-Ausrichtung in Sennestadt erfolgte größtenteils über EFRE-Fördermittel der EU und des Landes NRW, sowie Eigenmitteln der Stadt Bielefeld und der Stadtwerke Bielefeld.

Zur Projektgruppe gehören Mitarbeiter/innen der Bauberatung, der Stadtentwicklung und des Umweltamtes der Stadt Bielefeld sowie der Stadtwerke Bielefeld, der Geschäftsführer der Sennestadt GmbH, der Sanierungsmanager und Mitarbeiter von Jung Stadtkonzepte, Köln. Durch die intensive Einbindung von Stadtteilgruppen und Einladungen zu Informationsveranstaltungen soll die Teilnahme von Bürgerinnen und Bürgern an der zu gründenden Netzgesellschaft mit Informationsrecht und Mitbestimmung vorbereitet werden.

Die Ziele für den Pilotraum Sennestadt mit dem Modell des Stadtteilnetzes sind hoch gesteckt. Die Projektgruppe befasst sich derzeit mit den rechtlichen Grundlagen zum Aufbau eines Stadtteilnetzes, der Finanzierung und den dafür notwendigen Fördermitteln.

Sie sind mit dem Modell des Stadtteilnetzes  mit den Zielen des Landes NRW sehr gut zu vereinbaren:

  • Der KWK-Stromanteil in der Sennestadt steigt langfristig von 2,84% auf 77,9%.
  • Die jährliche Primarenergieeinsparung liegt dann bei rund 20% und
  • Die jährlichen CO2- Einsparungen liegen bei 34%.

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