Dörfer wetteifern um den Klimaschutz

 
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Eine Arbeitsgruppe der drei Landkreise kombinierte die Themen „Klimaschutz“ und „Ländliche Räume“ zu einer Idee, Dörfer in den Wettbewerb treten zu lassen. Bisher wurden zwei Wettbewerbe mit den Titeln „Unser Dorf spart Strom“ und „Unser Dorf nutzt die Sonne“ durchgeführt.

Die Wettbewerbsidee wird vom Arbeitskreis gemeinsam diskutiert und entwickelt. Teil der Entwicklungsarbeit ist die Erhebung fundierter regionaler Datengrundlagen für den jeweiligen Wettbewerb. Beim zweiten Wettbewerb waren dies z.B. Potenziale bisher ungenutzter Dachflächen, die in einem Dachflächenkataster ersichtlich gemacht wurden.

Beim ersten Wettbewerb mit dem Titel „Unser Dorf spart Strom“ sind ganze Dörfer in der Disziplin Stromsparen im Haushalt gegeneinander angetreten. Um den Wettbewerb bekannt zu machen, wurden alle Ortsbürgermeistern zu einer Infoveranstaltung eingeladen und Infomaterial für über 150 qualifizierte Orte in jedem Landkreis wurde verteilt. Dazu haben die Organisatoren noch eine Informationsveranstaltung durchgeführt, in der die Akteure der Dörfer zum Stromzählerablesung geschulten worden sind.

Der Wettbewerb dauerte ein halbes Jahr und umfasste sowohl die helle als auch die dunkle Jahreszeit. Um korrekte und zuverlässige Ergebnisse zu erfassen, wurden die Stromzähler aller beteiligten Haushalte in den teilnehmenden Dörfern zu Beginn und Ende des Wettbewerbs von geschulten Beratern persönlich abgelesen. Darüber hinaus haben die Teilnehmer umfangreiche Informationen zum Stromsparen im Haushalt erhalten, sodass sie eigenen, kreativen Lösungen finden konnten.

Im Wettbewerb „Unser Dorf nutzt die Sonne“  ging es darum, bisher ungenutzte Dachflächen für die Solarenergienutzung bereitzustellen. Hier hat der Arbeitskreis auf direkte schriftliche Ansprache, Presseinformation und Telefonate gesetzt, um über den Wettbewerb zu informieren. Da das Thema des Wettbewerbs komplexer war, wurden die Orte intensive von den Organisatoren begleitet und Referenten der Energieagentur Göttingen haben vor Ort über Unterstützungsmöglichkeiten für Solarthermie und PV informiert. Außerdem konnten interessierte Haushalte in Wettbewerbsdörfern eine kostenlose Solarenergieberatung in Anspruch nehmen. Der zweite Wettbewerb dauerte ein Jahr.

Nach Abschluss der Wettbewerbe begibt sich die Arbeitsgruppe in die Auswertung und Dokumentation der Ergebnisse. Für die Preisverleihung an die Siegerdörfer wird immer ein besonderer Rahmen ausgewählt. Die bisher stattgefundenen Preisverleihungen fanden in Anwesenheit des niedersächsischen Umweltministers und aller beteiligten Akteure statt. Das Engagement aller Wettbewerbsteilnehmer wird dabei auch mit Trostpreisen, z.B. Wildapfelbäumen für die Dorfgemeinschaft, gewürdigt.

Am Anfang jeden Dörferwettbewerbs steht die Wettbewerbsidee, die in der interdisziplinären Arbeitsgruppe gemeinsam diskutiert und entwickelt wird. Der erste Wettbewerb hatte das Ziel, Haushalte zum Stromsparen anzuregen, der zweite Wettbewerb wollte Haushalte motivieren, einen Teil der von ihnen genutzten Wärme oder des Strom auf ihrer Dachfläche selbst zu erzeugen. Beide Wettbewerbsziele haben eine fundierte, regionale Datenbasis über ungenutzte Potenziale der Energieeinsparung und der Erzeugung erneuerbarer Energien, die i.d.R. aus Klimaschutz- oder Energiekonzepten der beteiligten Regionen stammen oder beispielsweise im Südniedersächsischen Solardachkataster recherchierbar sind. Neben dem Klimaschutzbeitrag ist auch die Förderung des dörflichen Miteinanders Ziel der Wettbewerbe.

  • Wettbewerbe finden in einer sehr stark vom demographischen Wandel betroffenen ländlichen Region statt. Die Wettbewerbe stärken die Zukunftsfähigkeit der Dörfer durch niedrigere Ausgaben für Energie und einen gesteigerten Selbstversorgungsgrad mit erneuerbaren Energien, was Wertschöpfung und Unabhängigkeit für diese Dörfer schafft. Die Öffentlichkeitsarbeit der Wettbewerbe sorgt für ein neues Gemeinschaftsgefühl in den Dörfern, die damit einem attraktiven Lebensraum für alte und neue Einwohner bieten.
  • Das Projekt wurde intensiv von den Organisatoren begleitet, die mit sehr hohen Engagement Sponsoren gewonnen sowie Beratung und Datensammlung durchgeführt haben.
  • Der Wettbewerb „Unser Dorf spart Strom“ ist besonders gut übertragbar, da er alle Haushalte anspricht und auch allein mit Verhaltensänderungen im Haushalt durchführbar ist.
  • Die Arbeitsgruppe ist eine ungewöhnliche interkommunale Kooperation, die mit eigenen Initiativen und Projekten rund um das Thema Energie und Klimaschutz das Vertrauen ihrer jeweiligen politischen Gremien gewinnen konnte. Dazu wurde immer eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit der drei Landkreise durchgeführt. 

Perspektive:

Die dritte Wettbewerbsrunde befindet sich derzeit in Planung. Hierzu werden, um die Durchführung zu professionalisieren, derzeit externe Fördermittel eingeworben, die den Dörfern zugutekommen werden. Thematisch wird - nach den Themen Energieeinsparung und Energieerzeugung der vorangegangenen Wettbewerbe – nun der Bereich Mobilität, der im ländlichen Raum von großer Bedeutung und Klimarelevanz ist, adressiert.

Die Akquise wurde in der Arbeitsgruppe gemeinschaftlich und kreativ erarbeitet. Die Landkreise habendie Personalkapazitäten für die Wettbewerbsbetreuung durch die Arbeitskreismitglieder finanziert und ein kleines Budget von 1000 € pro Landkreis für die Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt.

Die Wettbewerbspreise werden vollständig durch Sponsorengelder finanziert. Alle 11 Netzbetreiber der Region treten als Sponsoren auf.

Für die Solarberatungen im „Unser Dorf nutzt die Sonne“ wurde öffentliche Fördergelder der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen in Anspruch genommen.   

Träger und verantwortlicher Organisator der Wettbewerbe ist eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der drei Landkreise, die sich aus Klimaschutz- und Regionalmanagern sowie Vertretern einer Energieagentur und von regionalen Energieversorgern zusammensetzt. Zu dem interdisziplinären, interkommunalen Arbeitskreis gehören neben Klimaschutz- und Regionalmanagern auch zwei regionale Netzbetreiber und die Energieagentur Region Göttingen. Weitere Fachpartner, z.B. kommunale Wirtschaftsförderungen, werden auch Bedarf hinzu gebeten.

Zielgruppe sind alle Dörfer der drei beteiligten Landkreise, die zwischen 100 und 1.500 Einwohner haben. Diese Größe ist bewusst gewählt, um direktes Engagement von ehrenamtlichen Akteuren im Ort, die für die Durchführung der Wettbewerbe verantwortlich sind, zu erleichtern.

 

Unser Dorf spart Strom:

Teilgenommen haben 18 Dörfer, in denen ca. 9500 Personen in 3.600 Haushalten wohnen mit einem Stromverbrauch von über 6 Mio. kWh. Das Siegerdorf hatte einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Stromverbrauch im Privathaushalt von 1.126 kWh/a, deutlich unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 2.037 kWh/a.

Energieeinsparung: 150.000 Kwh/a

CO2- Einsparung: 97.500 Kg/a

Unser Dorf nutzt die Sonne:

Teilgenommen haben 23 Dörfer mit ca. 16.000 Einwohnern. 87 Haushalte haben eine Solarberatung in Anspruch genommen, davon haben 22 Haushalte Anlagen installiert, also jeder 4. Beratungsempfänger. Der Siegerort konnte 4,25 % der ungenutzten Potenzialfläche für Neuanlagen erschließen.

CO2-Einsparung: 42 t/a
(wenn als konservative Annahme kalkuliert wird, dass jede der 32 neuinstallierten eigenverbrauchsoptimierten Solaranlagen (PV und Solarthermie) mit ca. 2,5 kWpeak pro Jahr 900 kWh erzeugt)


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