Einfach mobil in Offenburg: Infrastruktur der Nahmobilität mit einheitlichem Design

 
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Unter der Marke Einfach Mobil sind im badischen Offenburg in der Pilotphase 2015/2016 vier Mobilitätsstationen entstanden, die Platz für Bike- und Carsharing und Abstellmöglichkeiten für private Fahrräder in enger Kombination mit Haltepunkten des Bus- und Schienenverkehrs bieten. Diese Angebote können mit der Mobilitätskarte Einfach mobil zu vergünstigten Kosten genutzt werden.

Vier Mobilitätsstationen bilden die infrastrukturelle Grundlage der neuen öffentlichen Mobilität

Die Flächen der vier Mobilitätsstationen wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt während die Aufbauten zum Sondervermögen der TBO gehören. Für zwei Stationen fand städtischer Grunderwerb statt, zwei weitere waren bereits im Besitz der Stadt. Drei weitere Stationen in Neubaugebieten und am Landratsamt Freizeitbad sind geplant und politisch bereits gesetzt. Auch diese Standorte befinden sich auf öffentlichen Liegenschaften bzw. im öffentlichen Straßenraum. Die ersten Standorte wurden über Sondernutzungsgenehmigungen geregelt. Alle weiteren zukünftigen Standorte für die Stationen sind bereits in Bebauungsplänen ausgewiesen.

Die Finanzierung des Baus der Stationen erfolgte über den städtischen Haushalt. Die bisherigen Investitionen für die vier Pilotstationen können mit 240.000 Euro für die Flächen und die Aufbauten beziffert werden. Die Kraftfahrzeuge werden vom Anbieter Stadtmobil Südbaden finanziert. Für den Einsatz der E-Fahrzeuge gewährte die Stadt einen Zuschuss. Für das Vorhaben konnten Fördertöpfe des BMUB, des Ministeriums für ländlichen Raum und des Finanzministeriums BW etc. genutzt werden.  Die Betriebskosten für die Stationen belaufen sich auf 2.000 bis 4.000 Euro/Jahr. Die Betreiber der Sharing- Angebote zahlen 50 Euro/Standort und Monat (Stadtmobil Südbaden), bzw. 50 Euro/Standort und Jahr (nextbike). Für diese geringe Nutzungsgebühr stellen die Anbieter im Gegenzug die anonymen Nutzungsdaten zur Verfügung. Auf dieser Basis kann das Angebot evaluiert und dem Nutzerverhalten angepasst werden. Eine zuschussfreie Anschaffung und Betrieb ist beim Carsharing bereits möglich. Beim Bikesharing zahlt die Stadt zwar nicht für den Betrieb der Räder, beteiligt sich aber zu 100 % an der Anschaffung der Fahrräder bzw. Pedelecs. Hierfür akquiriert sie Fördermittel bei regionalen Versorgungsunternehmen. Somit entstehen keine Folgekosten für die Stadt. Die Buchung der Sharing-Fahrzeuge erfolgt einfach online, per Smartphone oder telefonisch.

Die Eignung der jeweiligen Standorte hat die Stadt über folgende Parameter ermittelt: Vorheriges Sharing-Nutzungsverhalten, Vernetzung des vorhandenen Angebots, Erweiterungsmöglichkeiten des Angebots, systematischer Erschließung (auch ÖPNV-unterversorgter Gebiete), potentielle Nutzergruppen, städtebauliche und  nachbarschaftliche Akzeptanz.

Grundsätzlich ist die Integration von weiteren Mobilitätsanbietern möglich. Das eigene Rad ist insofern mitgedacht, dass Abstellanlagen an den Stationen vorhanden sind. Auch neue Fahrradboxen entsprechen im Auftritt der Marke „Einfach Mobil“. Außerdem errichtete die Stadt ein vollautomatisches Fahrradparkhaus mit zwölf Zugängen am Hauptbahnhof, welches ebenso von den TBO betrieben wird. Das Radhaus erscheint ebenfalls im Einfach Mobil Design.

Die Einfach Mobil-Webseite www.mobil-in-offenburg.de leitet unter anderem zur Buchung auf die Seite des Stadtmobil Südbaden. Das Hotel Mercure am Messegelände informiert die Gäste über die multimodalen Angebote in der Stadt und stellt die Einfach Mobil Karte für die Nutzung der nextbike-Räder leihweise zur Verfügung. 

Inhaber/innen der Einfach Mobil-Chipkarte bekommen derzeit Rabatte bei den beiden integrierten Mobilitätsanbietern. Dadurch erhalten die Kunden beim Carsharing eine Rabattierung der Fahrtkosten von 10% und der jährliche RadCard-Tarif von nextbike sinkt um 20 %. Dafür kann ein nextbike die ersten 30 Minuten bei jeder Fahrt kostenlos genutzt werden.Die Jahresabonnent/innen des städtischen Busverkehrs können ab Ende 2017 die Einfach Mobil Karte auch als Träger ihres ÖV-Abos nutzen, allerdings noch nicht als e-Ticket. Die Chipkarte wird mit einem Icon zur Identifizierung als Jahreskarteninhaber versehen. Einfach Mobil soll dann auch Rabatte für ÖV-Tickets bieten, sowohl für die Busse, also auch im Anruf-Sammel-Taxi-Verkehr. Wer eine Einfach Mobil -Karte besitzt, kann dann alle öffentlichen Verkehrsmittel rabattiert nutzen, wobei sich dies im Busverkehr auf Dauerkarteninhaber beschränkt.

Integrierte Kommunikation und ein neues Neubürgerpaket

Eine Kommunikationsagentur entwickelte und betreut die integrierte Kommunikationsplanung– und Umsetzung der gesamten derzeitigen und zukünftigen Einfach Mobil-Infrastruktur. Die neue Marke versteht sich als Gesamtkommunikation des Themas „Öffentliche Mobilität“. Ein Neubürgerbegrüßungspaket informiert über umweltfreundliche Mobilität in Offenburg. Ab 2017 wird ein neues Paket, ebenfalls im Einfach mobil-Design, ausgegeben. Dieses enthält auch einen Gutschein für ein kostenloses Schnupper-Ticket für den städtischen und regionalen Bus- und Schienenverkehr. In den Exposés der Neubaugebiete ist die Verfügbarkeit zukünftiger multimodaler Angebote bereits angekündigt. So werden zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner, mit dem Wissen um multimodale Angebote angeregt, ihr Mobilitätsverhalten mit ihrem Umzug nach Offenburg zu verändern.

Als Teil des Mobilitätsmanagements des Integrierten Verkehrs- sowie Klimaschutzkonzepts der Stadt Offenburg begann 2013 die konkrete Planung von vorerst vier Mobilitätsstationen. Ziel ist der Aufbau eines dichten Netzes von Stationen an zentralen Punkten der Kernstadt, in Wohngebieten, Stadt- und Ortsteilen, Gewerbegebieten und in benachbarten Gemeinden um u.a. den Umweltverbund zu stärken, finanzierbare Mobilität für alle zu schaffen und eine neue öffentliche Mobilitätskultur zu fördern. Die Dachmarke Einfach Mobil soll hier auch als Motto für einfache Mobilität gelten. Die Stadt Offenburg und ihre unselbstständige Tochter Technische Betriebe Offenburg (TBO) sind die federführenden Akteure in dem Vorhaben.

Einfach Mobil verknüpft die Sharing-Angebote für Auto, Rad und Pedelecs an derzeit vier Standorten in der Stadt, die von den TBO betrieben werden. An diesen Mobilitätsstationen können auch private Räder abgestellt werden. Dafür wurden von der Stadt Flächen zur Verfügung gestellt. Das Corporate Design der neuen Marke Einfach mobil dient außerdem als Grundlage für die Gestaltung des Erscheinungsbildes aller öffentlicher Verkehrsangebote in Offenburg (eCar- und Bikesharing und zukünftig auch die Busse des ÖPNV), sowohl den Infrastrukturelementen als auch den alten (z.B. Bushaltestellen und Radwegen) und neuen Anlagen (z.B. Mobilitätsstationen). Die Mobilitätskarte Einfach Mobil kann sowohl online, als auch im BürgerBüroBauen bestellt und gegen eine einmalige Gebühr von 5 Euro abgeholt werden. Die Registrierung bei nextbike und/oder Stadtmobil Südbaden kann nach Erhalt der Einfach Mobil-Karte oder separat erfolgen. Zentrale Funktionen der Chipkarte sind derzeit „Türöffner“ und „Rabattierung“. 

Mit der Einweihung der ersten Mobilitätsstation am Standort Messe im Juni 2015 kamen erstmalig in der Republik Pedelecs mit kabelloser Ladetechnik im öffentlichen Radmietsystem zum Einsatz. Dies war ein gemeinsames Entwicklungsprojekt von nextbike, namoreg (Nahmobilität Region Stuttgart) und der Stadt Offenburg. Inzwischen bietet nextbike dieses System in mehreren Städten in Deutschland und Europa an.

Der modulare Aufbau der Stationen bietet eine hohe Flexibilität für den Einsatz und die Anforderungen der einzelnen Stationen und lässt sich dennoch relativ günstig verwirklichen.

Der einheitliche Auftritt unter der Marke Einfach mobil für die Nahmobilität in Offenburg mit dem entsprechenden Branding (Logo und Klimaschutz- und Mobilitätsgrün) an den Fahrzeugen, Stationen, an den Stadtbussen und Wartehallen ab November 2017, in der neuen Grüneinfärbung der Radwege und der verkehrsmittelübergreifenden Nutzung der Einfach mobil-Karte ist ein Garant für eine hohe Identifikation in der Bevölkerung.

Ein weiterer Erfolgsgarant war über die ganzen Jahre, dass die Verkehrsplanung immer gesamthaft über alle Verkehrsarten mit ihren Wechselbeziehungen betrachtet wurde. Ebenso waren die Stadtentwicklung, der Klimaschutz und die Stadtplanung immer eng einbezogen. 

Die Attraktivität der Mobilitätsstationen soll durch Kooperationen mit Städten und Gemeinden aus dem Umland gesteigert werden. Gespräche dazu finden bereits statt, z.B. mit dem französischen Straßburg. Zusätzlich gibt es 16 nextbike-Stationen, deren Räder auch unter der Dachmarke Einfach Mobil laufen. Sind sieben bis zehn Mobilitätsstationen in Betrieb soll die Nutzung über öffentliche Ausschreibungen für Konzessionsverträge erfolgen. Damit soll der Wettbewerb zwischen potentiellen Dienstleistern ermöglicht werden.

In Zukunft werden auch der städtische Busverkehr und Sonderfahrzeuge, wie Lastenpedelecs in das Angebot von Einfach Mobil integriert. Eine gemeinsame Einfach mobil- Mobilitätszentrale soll voraussichtlich ab 2020 in Betrieb genommen werden.

Seit 2015 ist die Marke „Einfach mobil“ für das gesamte Angebot der Nahmobilität in Offenburg implementiert. Die Mobilitätsstationen mit ihren derzeitigen Angeboten Rad und Car-Sharing laufen schon unter der neuen Marke in enger Verknüpfung mit Bus & Bahn. Bis Ende 2017 sollen das Radhaus und weitere Fahrradboxen ebenfalls unter dieser Marke und dem Zugang über die „Einfach mobil“-Karte hinzukommen. Gleiches gilt für das Jahresticket für den neuen Stadtbusverkehr und das Anruf-Sammel-Taxi. Im Bereich der Radverkehrsanlagen hat die Stadt Offenburg begonnen, die bisher türkisgrün angelegten Radwege und Radschutzstreifen im Zuge der Verlegung auf die Fahrbahn im neuen Umwelt- und Mobilitätsgrün zu gestalten. So gelingt es, die Offenburger Nahmobilität in einem einheitlichen und ansprechenden Erscheinungsbild darzustellen und weiter voranzubringen.

Die Gesamtkosten für Umsetzungskonzept, Planung Stationen, Marketingkonzept mit Umsetzung, Einrichtung online-Portal, Einführung Mobilitätskarte, Bordcomputer (nextbike), Einrichtung von vier Stationen, Zuschüsse für E-Fahrzeuge sowie Ladeinfrastruktur belaufen sich auf 590.000 Euro. Diesem Aufwand stehen Fördermittel in Höhe von insgesamt 353.000 Euro gegenüber.

Träger: Stadt Offenburg

Akteure: Stadt Offenburg, Technische Betriebe Offenburg (TBO)

Verantwortliche Projektleitung: Abteilungsleiter der Abteilung Verkehrsplanung beim Fachbereich Tiefbau und Verkehr Mathias Kassel

Zielgruppe: Bürger und Bürgerinnen, Pendler und Besucher der Stadt Offenburg 

Kooperationen

Unter Initiative und Federführung der Stadt Offenburg, Abteilung Verkehrsplanung:

Stadtmobil Südbaden, nextbike, E-Werk Mittelbaden, Badenova AG, Swarco, Schroff Pentair, Nussbaum, Kienzler

Tippingpoints, Stocker Design, Medien

Stadtplanung, Stadtentwicklung, Hochbau, Klimaschutz, Straßenverkehrsbehörde

Bürgergemeinschaften, Medien

Die Bürgerschaft und Besucher der Stadt finden auf kurzem Weg die für die jeweiligen Nutzungszwecke geeignetsten Fahrzeuge. Hierbei kommen verstärkt auch Antriebe zum Einsatz, die sich aus regenerativen Ressourcen speisen. Die Nutzenden können diese umweltfreundlichen Fahrzeuge kostengünstig nutzen und dabei auch für ihre Alltagszwecke testen.

Mit richtungsweisenden und zielführenden Konzepten gelingt es der Stadt, mit der Förderung des Umweltverbundes und multimodaler Systeme konsequent voranzukommen. Mit der Weiterführung des Projektes nach 2017 und dem Starten der Kooperationen mit den Nachbarstädten und Kommunen sowie der Ausweitung innerhalb von Offenburg auf die Orts- und Stadtteile und Gewerbegebiete wird ein richtungsweisendes Verkehrskonzept vorangebracht. Der Regionalverband Südliche Oberrhein, der Ortenaukreis, aber auch viele Städte aus der Republik bekunden immer wieder ihr großes Interesse an diesem Konzept und schauen sich die Angebote in Offenburg vor Ort an.

Aus der derzeit laufenden Evaluierung kann nach der ersten Befragungswelle schon eine teilweise deutliche Zunahme bei der Nutzung der Fahrzeuge, aber auch der Nutzung der Einfach mobil-Karte abgelesen werden. Detaillierte Aussagen sind bis zum Frühjahr 2017 zu erwarten.


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