Industrieabwärme versorgte Wohngebiet in Spenge

 

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Ökologische Orientierung und hohe Wohnqualität waren die Ziele der Stadt Spenge für das acht Hektar große Wohngebiet „Stiegelpotte“ in den frühen 90’er Jahren. Bis 2003 konnte die Siedlung zu etwa 80% mit industrieller Abwärme versorgt werden ...

„Stiegelpotte“ ist ein Wohngebiet in Spenge, das bereits 1993/94 im europäischen Wettbewerb des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) mit dem Umweltpreis in der Kategorie „Umweltfreundliche Technologien“ ausgezeichnet wurde. Ökologische Orientierung und hohe Wohnqualität waren die Ziele der westfälischen Stadt, die gemeinsam mit dem Elektrizitätswerk Minden Ravensberg GmbH (heute E.ON Westfalen Weser AG) sowie der Weberei C. A. Delius GmbH & Söhne eine acht Hektar große Fläche mit rund 110 Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut hat.

Die Gründe für die Auszeichnung waren neben begrünten Dächern, He­cken als Grundstücksbegrenzungen sowie wasser- und luftdurchlässigen Garagenzufahrten vor allem die Versorgung zu etwa 80 Prozent mit in­dustrieller Abwärme auf niedrigem Temperaturniveau aus der nahegele­genen Weberei Delius. Dabei wird die Abwärme der Weberei über Wär­metauscher ausgekoppelt und durch ein ungedämmtes und damit preiswertes Kaltwasser-Nahwärme-Rohrnetz in die Häuser geleitet. Die Vorlauftempe­ratur beträgt etwa 20 Grad Celsius, die Rücklauftemperatur fünf Grad.

Durch die Einleitung der Abwärme in das Verteilernetz von 734 Megawatt-Stunden im Jahr kann die Weberei auf den Einsatz ihrer Kompressoren für die Kühlung nahezu verzichten. Sie spart elektrische Energie und gibt die bis dahin in die Umwelt abgeleitete Wärme an die Siedlung weiter. Im Jahr vermeidet sie auf diese Weise rund 220 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen.
Die Abrechnung der genutzten Energie erfolgt über ein Least-Cost-Planning-Konzept, bei dem die Hausbesitzer die Bereitstellung der Raumwärme und des Warmwassers bezahlen, die von Wärmemengen-Messgeräten registriert werden. Die Wärmepumpenanlagen im Haus und die Kaltwasser-Nahwärmeversorgung sind Eigentum des Elektrizitätswerks und werden von ihm gewartet und auch nach Ablauf der Lebensdauer ersetzt. Dadurch entstehen den Hausbesitzern keine zusätzlichen Kosten für Wartung, Versicherung und Reparaturen. Sie zahlen nur die einmaligen Anschlusskosten, die sich am Normwärmebedarf des Gebäudes orientieren. Es lohnt sich also eine gute Wärmedämmung, um den Normwärmebedarf abzusenken und Kosten zu sparen.

 Die Investitionen für die Siedlung „Stiegelpotte“ beliefen sich auf etwa 1,33 Millionen Euro, wovon 300.000 Euro durch das REN Programm des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wurden. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sind außerdem in ein weiteres Vorhaben zur Nutzung von industrieller Abwärme mit Wärmepumpenanlagen einflossen. In der Herforder Siedlung „Sattlerweg“ nutzt man die Abwärme des Milchwerks Humana, um 240 Wohneinheiten mit Heizwärme und Warmwasser zu versorgen. Das entspricht einer Kohlendioxid-Reduktion von 230 Tonnen im Jahr.

Nach 2003 hat sich die Energieversorgung der Siedlung Stiegelpotte stark verändert: Die Weberei C. A. Delius stellte ihre Produktion ein, und die Siedlung kann seither keine Abwärme mehr von ihr beziehen. Andere Unternehmen für die Wärmeeinspeisung waren nicht zur Hand, so dass nun E.ON Westfalen Weser AG das Kaltwasser-Nahwärme-System mit Hilfe von Erdgas und einem Anteil Erdwärme betreibt.

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