Bürgersolarkraftwerke Ibbenbüren

 
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Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Ausgestaltung einer lokalen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien ist Grundvoraussetzung für ein Gelingen. Der Ibbenbürener Betreibergesellschaft von Bürgersolarkraftanlagen war es seit ihrer Gründung daher ein großes Anliegen, in ihren Projekten Menschen aus Ibbenbüren an ihren Ideen und Vorstellungen zu beteiligen, um ihnen einerseits die Optionen individuellen Handelns erfahrbar zu machen und andererseits Beteiligungsmöglichkeiten für jedermann zu schaffen.

Seit dem 5. April 2002 betreibt die Ibbenbürener Gesellschaft für Bürgersolaranlagen, Watt fair Solarenergie Ibbenbüren GmbH & Co. KG, als „Kind“ der Lokalen Agenda 21 in Ibbenbüren auf öffentlichen Dachflächen der Stadt Ibbenbüren Photovoltaik-Anlagen. Ein entsprechender Beschluss des Stadtrats gab deren kostenlose Nutzung für die Gesellschaft frei.

Mittels der gegründeten Betreibergesellschaft können engagierte Bürgerinnen und Bürger die Installation von Solarenergie-Anlagen in Ibbenbüren finanziell absichern helfen. Bereits ab einer Summe von 500 Euro sind sie mit ihrer Einlage an dem Bau und dem Betrieb der Photovoltaik-Anlagen beteiligt.  Die finanziellen Gewinne aus den solaren Erträgen werden unter den Gesellschaftern aufgeteilt.

Seit der Gründung der Gesellschaft haben sich bislang insgesamt 41 Personen beteiligt, um die Zunahme von Solaranlagen auf öffentlichen Dachflächen in Ibbenbüren voranzutreiben. Durch den Zusammenschluss zu einer Gesellschaft bietet sich den Beteiligten der Vorteil, dass sie mit relativ geringem Aufwand und Risiko den Bau von Solaranlagen nutzen können. Als teilweise haftende Gesellschafter setzen sie lediglich ihre eigene Einlage auf eigenes Risiko ein. Vollhafterin ist die „Watt fair GmbH“ (heute: fairPla.net Energy GmbH) in Münster, die unter anderem von verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und natürlichen Personen zur Förderung nachhaltiger Energieprojekte getragen wird. Damit bietet die „Watt fair Solarenergie Ibbenbüren GmbH & Co. KG" eine ideale Möglichkeit zur Förderung des Einsatzes von erneuerbaren Energien.

Durch den Betrieb der Anlagen mindern die Bürgerinnen und Bürger als Gesellschafter nicht nur die CO2-Emissionen Ibbenbürens, sondern stärken zugleich die heimische Wirtschaft und unterstützen entwicklungs- oder umweltpolitisch motivierte Projekte.

Die Photovoltaiknutzung war 2002 in Ibbenbüren erst gering verbreitet, insgesamt waren bis Ende 2002 erst 60 PV-Anlagen stadtweit in Betrieb. Im damaligen Diskussionsprozess zur Lokalen Agenda 21 war die Idee geboren worden, eine Gesellschaft zu gründen, um allen Bürgerinnen und Bürgern eine Option zur Nutzung solarer Strahlungsenergie zu schaffen. Diese Option sollte auch Bürgerinnen und Bürgern mit kleinem Einkommen, geringem technischen Verständnis zu solaren Strahlungsnutzungen, geringer Planungskompetenz solcher Anlagen und ohne privaten Immobilienbesitz bzw. solchem mit Lagehandicaps zur solaren Strahlungsnutzung möglich sein. Damit sollte ein lokaler Beitrag zur Emissionsminderung sowie ein Beispiel für private Nachahmer zur solaren Strahlungsnutzung geschaffen werden.

Zur Finanzierung wurden Landesfördermittel des Landes NRW (REN-Programm), Bundesfördermittel aus dem 100.000-Dächer-Programm, Kommanditeinlagen, Bankdarlehen sowie privat gewährte Darlehen von der Gesellschaft herangezogen. Den Löwenanteil übernahmen dabei zunächst mit etwas mehr als 50 % die Kommanditeinlagen, später – mit Inbetriebnahme ergänzender PV-Module – dominierten in den Anfangsjahren gewährte Darlehen die Anlagenfinanzierung.

Den maßgeblichen Akteuren war von Beginn an bewusst, dass das Projekt zur Begründung von Bürgersolarkraftanlagen nur mit Unterstützung und Kooperation verschiedener Akteursgruppen gelingen konnte. Daher wurde sehr frühzeitig ein Schulterschluss mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Akteuren aus den Ratsfraktionen, Solarberatern und engagierten Personen der Lokalen Agenda 21 Ibbenbüren gesucht, um den Gesellschaftsgründungsprozess sowie die Gestaltung politischer Randbedingungen (Herbeiführung politischer Beschlüsse) zur Nutzung lokal geeigneter Gebäudedachflächen zielorientiert umzusetzen. Kontakte zu Umweltorganisationen erbrachten auch schnell Handlungsoptionen zur Einbindung eines vollhaftenden Komplementärs in die angestrebte Kommanditgesellschaft.


 

Die erste Anlage mit ca. 10 Kilowattpeak (kWp) Leistung wurde im April 2002 auf dem Dach der Michaelschule in Ibbenbüren installiert. Anfang 2004 wurde die Anlage um zusätzliche rund 60 m2 zu einer Anlage mit insgesamt 16,4 Kilowattpeak (kWp) erweitert. Seitdem beträgt der durchschnittliche Stromertrag der Anlage ca. 14.000 Kilowattstunden im Jahr.

Am 12. Dezember 2005 wurde eine zweite Photovoltaik-Anlage mit 12,7 kWp auf dem Dach des Ibbenbürener Goethe-Gymnasiums in Betrieb genommen, die einen jährlichen Stromertrag von jeweils rund 10.000 Kilowattstunden (kWh) erwirtschaftet.
 
Mit zunehmender Laufzeit des Gesetzes zum Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) und den lokal demonstrierten Beispielprojekten zur Solarnutzung setzte sich in der Bevölkerung Ibbenbürens die Einsicht durch, dass der direkte private Betrieb von Solaranlagen wirtschaftlich für Privathaushalte von Vorteil ist. Zunehmend verbreiten sich private Solarnutzungen im Stadtgebiet. Die Zahl installierter Solarkraftanlagen stieg von 60 (2002) auf 1655 bis Ende 2014.

Die Solargesellschaft sieht einen Zweck ihrer Arbeit als erfüllt und sieht heute den Schwerpunkt ihrer Arbeit in Projekten mit Bezügen zur Entwicklungszusammenarbeit bzw. zur Unterstützung schulpädagogischer Arbeit. 


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